Hormone sind biologische Taktgeber – die körpereigenen Botenstoffe sorgen dafür, dass Zellen Informationen austauschen. So regeln etwa 100 uns bekannte Hormone vielfältige Aufgaben im Organismus, sie sind beispielsweise am Wasser- und Energiehaushalt, am Wachstum und an der Fortpflanzung beteiligt. Zu dem Bündel an Hormonen, die in einem abgestimmten Zusammenspiel gemeinsam agieren, gehört auch Cortisol, das den Beinamen „Stresshormon“ trägt. Auch wenn das Hormon lebensnotwendig ist, hat es Schattenseiten – wir erklären Dir, was passiert, wenn Dein Cortisolspiegel zu hoch ist und woran Du das merkst.
Was ist Cortisol?
Cortisol ist ein Hormon, das Dein Körper in der Nebennierenrinde produziert – damit handelt es sich um ein sogenanntes Glukokortikoid. So wie bei anderen Hormonen auch, regelt der Organismus die Bildung und Freisetzung von Cortisol sehr gewissenhaft, damit weder zu wenig noch zu viel davon ausgeschüttet wird. An der Bereitstellung ist das Adrenocorticotrope Hormon (ACTH) beteiligt, das wiederum in der Hirnanhangdrüse entsteht. Die sorgsame Freisetzung ist wichtig, denn Cortisol hat zahlreiche Effekte auf Deinen gesamten Stoffwechsel und somit auch auf Dein Wohlbefinden. Dein Körper passt den Cortisolspiegel im Laufe des Tages stetig an. Cortisol ist nämlich der Gegenspieler des Schlafhormons Melatonin. Praktischerweise erlebt der Cortisolspiegel zwischen sieben und acht Uhr morgens einen Höhenflug und verleiht Dir den nötigen Schub, um energiegeladen in den Tag zu starten. Über den Tagesverlauf hinweg rückt Cortisol dann immer weiter in den Hintergrund und macht am Abend Platz für Melatonin – so gleitest Du sanft in den Schlaf.

Infografik: Die Nebennierenrinde und die Hormonbildung
Cortisol: der tägliche Begleiter für Power, Konzentration und weniger Entzündungen
Ohne Cortisol würde das Konzept des Schlaf-Wach-Rhythmus nicht aufgehen, schließlich übernimmt es hier die Rolle des „Aufweck-Hormons“. Wenn Personen an das Hormon denken, kommt ihnen aber meist nicht zuerst die Nachtruhe in den Sinn, stattdessen verbinden sie den Botenstoff mit Stress. Tatsächlich steigt der Hormonspiegel über kurze Zeit an, wenn Du körperlichen oder psychischen Stress empfindest. Den Titel „Stresshormon“ hat Cortisol also verdient. Doch was auf den ersten Blick negativ klingt, hat viele Vorteile. Stell Dir vor, Du befindest dich gerade in einer Situation, die Dir viel abverlangt – das kann eine sportliche Herausforderung sein oder eine hektische Situation auf der Arbeit. Genau jetzt schüttet Dein Organismus die Hormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus. Das wiederum bewirkt, dass Deinem Gehirn mehr Glukose zur Verfügung steht – Du bist konzentriert und leistungsfähig. Steigt der Cortisolspiegel an, beschleunigt das auch Deine Atemfrequenz, den Herzschlag und erhöht den Blutdruck. Kurzum: Du bist optimal auf einen Kampf oder die Flucht vorbereitet, evolutionär gesehen, hat das unser Überleben gesichert, heute rettet Cortisol Dir vielleicht eher im Büroalltag den Kopf. Eine weitere wichtige Aufgabe übernimmt Cortisol im Immunsystem, hier hat das Hormon eine entzündungshemmende Wirkung.
Cortisolspiegel zu hoch: Diese Symptome deuten darauf hin
Hormone müssen im Körper optimal dosiert werden, damit sie ihr Ziel erreichen, das gilt auch für Cortisol. Während zu wenig Cortisol typische Symptome wie einen niedrigen Blutdruck oder eine verminderte Leistungsfähigkeit auslöst, führen zu hohe Werte zu besonders schwerwiegenden Folgen. Ist der Cortisolspiegel dauerhaft zu hoch, steigt das Risiko für Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem zählen Muskelschwund und Osteoporose zu den möglichen Konsequenzen. Da Cortisol auch mit der Psyche im Zusammenhang steht, drohen Depressionen und Angstzustände. Menschen, bei denen dauerhaft zu viel Cortisol im Körper zirkuliert, können durch die Schwächung des Immunsystems häufiger Infekte entwickeln.
Symptome, die darauf hindeuten, dass der Cortisolspiegel bei Dir zu hoch ist:
- Gewichtszunahme, vor allem im Bauchbereich
- Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme
- Vermindertes sexuelles Verlangen
- Schlafstörungen
- Probleme mit der Haut, wie Akne
- Muskelschwäche
- hoher Blutdruck
- Kopfschmerzen

Infografik: Mögliche Symptome bei einem zu hohen Cortisolspiegel
Ursachen für einen zu hohen Cortisolspiegel
Du bist gefühlt immer im Einsatz und Dein Kopf hat niemals Ruhe? Darin könnte bereits die Ursache für Deinen erhöhten Cortisolspiegel liegen, denn chronischer Stress steht einem ausbalancierten Cortisolspiegel im Weg. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob Du Dich emotional oder körperlich stark belastest. Stress ist aber bei Weitem nicht die einzige Ursache. Hormonumstellungen, die beispielsweise in der Schwangerschaft stattfinden, können den Cortisolspiegel ebenso beeinflussen wie Hormonstörungen aufgrund eines Polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS). Depressionen, eine Unterzuckerung oder eine Überfunktion der Nebennierenrinde, unter anderem ausgelöst durch einen Tumor, sind ebenfalls denkbare Ursachen. Wenn Du über längere Zeit, beispielsweise zur Therapie entzündlicher Erkrankungen wie Asthma, sogenannte Corticosteroid-Medikamente einnimmst, kann auch das Deinen Cortisolwert erhöhen.
So stellen Mediziner fest, ob Dein Cortisolspiegel zu hoch ist
Liegt bei Dir der Verdacht nahe, dass der Cortisolspiegel nicht im Normbereich ist, kann der Mediziner Deine Werte bestimmen – das gelingt mit einer Blutuntersuchung in den Morgenstunden, mit der Analyse einer Speichelprobe oder einer Urinuntersuchung. Besonders gut zu handhaben ist die Untersuchung von Blut oder Speichel. Nach der Probeentnahme und Bestimmung prüft der Arzt, ob sich Deine Werte im Normalbereich befinden. Beim Blut liegt das Cortisol in der Regel zwischen 4,8 und 19,5 Mikrogramm pro Deziliter, beim Speichel zwischen 3,7 und 22,6 Mikrogramm pro Liter. Entscheidet sich der Mediziner zur Bestimmung für eine Urinuntersuchung, musst Du über 24 Stunden hinweg Deinen Urin sammeln. Bei Erwachsenen liegt der Cortisol-Normwert hier zwischen 21 und 292 Mikrogramm pro Tag.
Das Wichtigste in Kürze
Bei Cortisol handelt es sich um ein lebenswichtiges Hormon in Deinem Körper, dass Dich unter anderem auf herausfordernde Situationen vorbereitet und zum Schutz vor Entzündungen beiträgt. Hier gilt jedoch nicht: „Je mehr, desto besser“, denn ein Zuviel bringt Deine Hormonbalance aus dem Takt. Das kannst Du zum Beispiel an Schlafstörungen, einer Gewichtszunahme, an Konzentrationsstörungen oder einem hohen Blutdruck bemerken. Ist der Cortisolspiegel bei Dir zu hoch, liegt das vielleicht an einem übermäßigen körperlichen oder psychischen Stress. Allerdings können auch eine Überfunktion der Nebennierenrinde, Hormonstörungen und Corticosteroid-Medikamente den Cortisolwert negativ beeinflussen. Wenn der Arzt mittels Blut, Speichel oder Urin eine Abweichung festgestellt hat, ist es wichtig, die genaue Ursache herauszufinden.
Gut zu wissen!
Du möchtest mehr zu dem Thema erfahren? Dann lese in unserem Blogbeitrag „Cortisol senken – die besten Tipps“ wie Du Deinen Cortisolspiegel positiv beeinflussen kannst.